Noch kann ich nicht glauben, dass es alles schon vorbei sein soll. Je mehr ich darüber rede, schreibe und lese, desto realer wird dieser Tag. Der Tag, auf den ich ein Jahr hingearbeitet habe. Naja, eigentlich waren es sogar über vier Jahre. Vier Profijahre und endlich die Quali. Und jetzt ist die WM schon Geschichte. Immer und immer wieder habe ich inzwischen jede einzelne Rennsituation im Kopf durchgespielt. Meine Gedanken kreisen um diese Zehntelsekunde. Es passierte ca 10 Sekunden nach dem Start. Ich hatte mich am Schwimmstart so positioniert, dass ich mit möglichst gleichstarken bzw -schwachen Schwimmern eine Gruppe hätte bilden können. Doch nach dem Kanonenschlag kam der Kick. Im Startgemenge auf den ersten Meter fing ich mir einen Fußkick direkt unterhalb meines rechten Rippenbogens ein. Ich konnte nicht mehr atmen. Ich trieb im Wasser und da kam auch schon ein Surfbrett zum festhalten. Nach einigen Sekunden fing ich an, Brust zu schwimmen und sah die anderen Profis schon in ordentlichem Abstand entfliehen. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit. Ich japste nach Luft. Tausend Gedanken. Soll ich aufhören? Ich kann nicht mal atmen, wie soll ich schwimmen, es tut nur weh. Das kann es doch jetzt nicht schon gewesen sein. Den Aufhören-Gedanken hatte ich jedoch schnell verworfen. Ich schaffte wieder ein paar Kraulzüge. Ich war im Rennen aber ich war letzter. Die beiden schnellsten Frauen hatten mich inzwischen gecatcht. Irgendwie hatte das Elend in den Pazifik-Wellen ein Ende und ich wechselte auf’s Rad. Und da fand ich mich wieder. Am Ende. Alleine. Keine Gruppe. 9 Minuten hinter den schnellsten. Ich wollte aber nicht aufhören. Ich ignorierte das rechtsseitige Stechen und fuhr. Was dann kam, kann man durchaus als Trendwende meines Wettkampftags bezeichnen. Ich fühlte mich super auf dem Rad. Energiezufuhr, Kühlung, alles gut. Bereits vor der Wende in Hawi konnte ich einige Plazierungen gut machen. Ich wechselte dann nach 4:36 min als ca. 35. auf die Laufstrecke. Das ist wirklich bitter, wenn du auf dem Ali’i Drive nach Süden läufst und dir gefühlt 100erte Läufer bereits entgegenkommen. Das ganze war aber komischerweise doch nicht ganz so schlimm, denn meine Beine waren fit. Ich war durch die Vorbereitung in Texas perfekt akklimatisiert, genoss die Hitze sogar fast. Auf dem Highway ging dann das große Einsammeln los. Erst ab km 35 begann dann auch mein Leiden. Die Palani- Road abwärts tat unglaublich weh. Ich überquerte als 18. Mann die Ziellinie. 08:33:20 Stunden. Ob ich zufrieden bin? Hätte mir im Vorfeld jemand Platz 18 versprochen- ich hätte sofort eingeschlagen. Es ist die WM, da sind die besten der besten. Also ja, zufrieden. Aber dann kommt auch ein kleines „Aber“. Das „was wäre gewesen wenn“- Gefühl. Wie weit wäre es nach vorne gegangen ohne die mind 5min tatenlos im Pazifik? EGAL. Das ganze hat Lust auf mehr gemacht. Lust auf einen Start 2018 im spirituellen, mystischen Kona.

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