Ja, es war ein deutlicher Druck, der vor Tallinn auf meinen Schultern lastete. Da waren viele Fragen: können meine Beine nach gerade mal 20 Tagen wieder alles geben? Wer wird wirklich am Start sein? Ist ein 4. Platz (wenn ich diesen erreicht hätte,  wäre die Hawaii -Quali sicher gewesen) vielleicht doch zu ambitioniert? Andererseits wusste ich dann doch auf jede dieser Fragen eine realistische Antwort und so flog ich mit einem guten Gefühl in die Hauptstadt Estlands. Tallinn ist, abgesehen von der gelungenen Ironman-Strecke, eine Reise wert – eine super schöne Stadt mit einer interessanten Geschichte. Leider blieb nicht viel Zeit für Sightseeing. Ich fühlte mich gleich wohl und hatte mit meinem Schwager Julian einen professionellen Supporter dabei, sodass der Schulterdruck komischerweise eher kleiner wurde und mein Bewusstsein, den Sack zumachen zu können, wuchs. Obwohl- das Testschwimmen in der 13 Grad-kalten Ostsee dann doch ganz schön angsteinflößend war. Vorbelastung Rad und Lauf war aber tip top. Zum Glück hatte es im Hafenbecken von Tallinn dann am Raceday doch ganze 15,4 Grad, sodass das Schwimmen nicht verkürzt wurde :). Die ersten 1,5km gelang es mir in der unmittelbaren Verfolgungsgruppe hinter dem starken, und an diese Verhältnisse angepassten, Lokalmatador Marko Albert zu schwimmen. Meine Füße waren schon nach den ersten Metern nicht mehr zu spüren und jeder Armzug fühlte sich nach „slow motion“ an. Die Beine lagen irgendwo hinter mir im Wasser und halfen eigentlich gar nicht mehr mit. Die Kälte lähmte mich. Nach 1,5 km wurde das Tempo angezogen und meine unkoordinierten Schwimmbewegungen reichten dafür nicht aus. Ich musste abreißen lassen und stieg 2 Minuten nach der Gruppe um Thomschke, Buchholz, Chevrot und Konsorten aus dem Wasser. Dann versuchte ich unbeschadet zu T1 zu kommen.
Ich fühlte nicht, dass meine Füße auftraten, sie waren komplett gefreezt. Meine Mission „Gruppe einholen“ begann. Ich hatte gute Beine und fuhr ganz alleine aber wie ein Uhrwerk auf der flachen Strecke durch die estnische Landschaft. Bei 135km war ich dann dran. Ich wusste, dass ich im Laufen konkurrenzfähig bin und in meinem Kopf ploppte das „kontrolliert den Marathon angehen, die Quali ist das primäre Ziel“ auf. Ich verließ T2 und lief den Halbmarathon zunächst mit dem späteren Sieger Koutny bzw Markus Thomschke. Koutny zeigte eine grandiose Laufperformance und ich ließ ihn ziehen. Aber wir alle holten auf den Esten Marko Albert, der seinen letzten Ironman als Profi bestritt, auf. Nach ca 24km konnte ich Thomschke abschüttelt. Ich lief konstant knapp unter 4min/km. Und das war überraschenderweise sogar noch nach km 35 kein Problem. Koutny hatte Albert schon eine Weile eingeholt und ich überholte ihn bei ca. 38km. Ich riss eine Lücke aber versuchte mich dann zu beherrschen. Krämpfe kommen dann doch mal schneller als gedacht. Immer wieder drehte ich mich um, aber Albert war geschlagen. Der Zielteppich kam und ich war einfach nur erleichtert, mein eigenes Ziel mehr als erreicht zu haben. Dass es auch noch eine Personal Best-Zeit wurde – 8:06:16 – ist einfach mega. Und zum zweiten Mal den 2. Platz bei einer Langdistanz innerhalb von 3 Wochen zu schaffen, macht mich doch sehr stolz. Zum zweiten Mal den schnellsten Radsplit fast noch stolzer.

Ich wurde hierfür maximal unterstützt und angefeuert. Vor Ort (Danke an Julian, Eva Buchholz, die Familen Thomschke, Guhr und Steffi Dötsch) und  vor den Trackern, Tickern und dem Livestream. Ich bin sehr glücklich darüber und bedanke mich ganz herzlich. Ich weiß, dass diese coolen Leute auch meine „Road to Kona“ begleiten werden und das ist ein schönes Gefühl. 
Julian und ich hatten noch nen lustigen Abend mit Familie Buchholz und einer Weltklasse-Pizza bevor es für uns bereits am Sonntag wieder nach Hause ging. 
Meine Pläne für die nächste Zeit: locker in die Kona-Prep einsteigen,  planen, Zeit zu Hause verbringen und dann ab nach Texas für die unmittelbare Vorbereitung. Frei nach dem Motto: Never change a running….
Euer Marc. 

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