Der längste Tag des Jahres!!! …mir kam es eher wie der kälteste Tag des Sommers vor!

Kurz vorweg – Ja ich habe gefinisht und ja ich habe das Ticket für die WM in Hawaii.

Sonntag morgen um vier Uhr. Fast gleichzeitig klingelt das Handy von Martin und mir. Wie selbstverständlich ging der erste Blick aus dem Fenster – “Mist das Wetter ist wie im Vorraus angekündigt schlecht”. So akribisch wie wir die letzten Tage den Wetterbericht verfolgt hatten, war es natürlich keine Überraschung, doch irgendwie hatte wohl jeder der Starter gehofft die Wetterleute würden sich mal wieder irren.
Dick eingepackt machten wir uns auf den Weg zum Start an den Langener Waldsee. An der Wechselzohne 1 am See angekommen, mischten wir uns unter die morgendliche Hektik in der Wechselzone und machten unser Rad startklar. 15 min vor dem Startschuss ist die Nervosität normal am Hochpunkt, mir war in dem Moment einfach nur kalt und ich schlotterte sogar im Neoprenanzug. Bis zum Startschuss konnte mich also weder das Warmschwimmen noch die eigentliche Anspannung auf das Bevorstehende auf Temperatur bringen.
Die ersten Wettkampfmeter verliefen eher ungewohnt, ich war nicht schlecht unterwegs aber es fehlte definitiv irgendetwas. Nach einer kleinen Keilerei musste ich ein paar kräftige Züge Seewasser schlucken und legte einen kurzen Zwischensprint ein um aus dem Prügelfeld entkommen zu können.
Nach den 3,8km stieg ich mit 54:15 min aus dem Wasser. Solide aber nicht das was ich wollte – ging mir durch den Kopf. Noch war aber alles bestens und die 2-3 Minuten die ich auf meine angepeilte Zeit verloren hatte kaum der Rede wert. So zog ich mir meine Ärmlinge an und stieg aufs Rad.
Regen, Wind und Kälte waren bereits schon zur Genüge auf der Radstrecke und ich versuchte mich auf das Rennen zu konzentrieren. Immer schön nach Puls fahren um nicht schon auf dem Rad zu überzocken. Die ersten 60km liefen besser als gedacht. Ich konnte mich in einer Gruppe um Michael Wetzel einfinden und fuhr mein Ding. Die einzige Sorge, die ich hatte war mein Energiehaushalt. Nach 2 Mal Trinken aus der Flasche mit den Energiegels verweigerte mein Magen die Aufnahme und jeder Versuch landete auf dem Lenker oder auf der Straße. War mir zu kalt zum Essen oder hatte das Seewasser meinen Magen umgedreht??? An der nächsten Verpflegungsstelle nahm ich mir eine Flasche Cola und presste mir das kalte Zeug runter. Das blieb zum Glück auch im Magen, nur bei dem Gedanken an Nahrung war mir schon schlecht und und jeder Schluck eine Qual. Daraufhin schaltete ich einen Gang zurück und ließ die Gruppe am Ende der ersten Runde ziehen. Bei 110km kamen die ersten Gedanken, schaffe ich das heute überhaupt – ich kann kaum noch 5 Stunden ohne Energie auskommen. Bei km 130 hatte ich dann genau das was ich befürchtet hatte – meine Beine waren platt, ich konnte kein Druck mehr auf das Pedal bringen und ich begann zu spüren wie kalt es wirklich war. Die letzten 50km auf dem Rad waren der Horror. Erstens war mein Körper schon zu dem frühen Zeitpunk im Rennen ohne Energie und total untrkühlt und zweitens war da der Kopf, der mir sagte – du hast dich Monate vorbereitet für den einen Tag und jetzt läuft alles schief! Das zog meine Laune tief in den Keller. Mein Plan für den weiteren Verlauf war erst einmal auf das Laufen zu Wechseln und dann schauen wie ich so im Rennen liege. Die Anderen haben ja das gleiche Wetter.
Nach einer gefühlten Ewigkeit fuhr ich auf die Wechselzone 2 zu und konnte mein Rad endlich abgeben. Die ersten Meter fühlten sich erstaunlicherweise besser an als gedacht. Der Führende des Rennens Faris al-Sultan hatte zu dem Zeitpunkt genau eine Runde absolviert und ich machte mich mit ihm auf den Weg.
Bei jeder Verpflegungsstelle schüttete ich mir soviel Cola wie ging rein und hoffte damit durchzukommen. Die Oberschenkel schmerzten schon erheblich, aber nach 16km kam das Beste was mir zu dem Zeitpunkt passieren konnte. “Nach dem Schwimmen Platz 6 in der AK, nach dem Radfahren Platz 2 und momentan auf Platz 2 mit Tendenz nach vorne – also WM Ticket ist save wenn nichts mehr passiert”. Danke Nico, dass war meine Rettung! Jetzt “nur” noch 26km abspulen und die ganze Quälerei hat sich doch noch gelohnt. Aus dem Abspulen wurde dann doch mehr oder weniger ein Kampf, Oberschenkel und Waden wurden immer härter und ich hatte Angst, dass ich mich nicht mehr lange mit Cola über Wasser halten konnte. Ich motivierte mich immer Abschnittsweise – da vorne stehen ein paar Freunde, da steht meine Familie und da kommt wieder eine Verpflegungsstelle. Das half mir sehr gut und rettete mich auch ohne den “großen” Einbruch ins Ziel. Mit einer Zeit von 9:05:20, darf ich mich jetzt Vize Europameister in der AK 25-29 nennen und bin auf dem 25 Gesamtplatz gelandet.

Im ersten Moment überkam mich im Ziel eine größere Enttäuschung, ich hatte zwar alles erreicht was ich mir vorgenommen hatte, aber es lief eben nichts wie geplant! Eine Nacht später, in der ich nochmal alles abgerufen hatte, was ich geleistet habe wurde mir erst bewusst, dass es eben doch eine riesen Leistung war. Erstens, ich bin mental stark geblieben und hab nicht aufgegeben wie sehr viele in diesem Jahr. Ich war auch kämpferisch top unterwegs – wie ich mit der wenigen Verpflegung bis ins Ziel kommen konnte ist mir heute noch ein Rätsel. Fazit, ich war bestens vorbereitet und habe für die Bedingungen einen Top Wettkampf hingelegt und bin super zufrieden mit dem Ergebnis.

Ganz besonders freut mich die Leistung von Martin, der einen astreinen Ironman abgeliefert hat und mit mir nach Hawaii zur WM fliegt.

Vielen Dank für die vielen Glückwünsche. Ganz besonders an die Fans auf der Strecke, die mit mir gefroren haben und mich ins Ziel gebrüllt haben. Sau stark, war mir eine große Hilfe!

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