Früh morgens machten wir uns auf dem Weg zum Pier. Dort befand sich die Wechselzone, der Start und später auch der Zieleinlauf. Wir wollten heute keinen Stress aufkommen lassen und die Vorbereitungen auf unseren Start ganz in Ruhe angehen. Nach ein paar Metern auf dem Alii Drive war die Spannung förmlich greifbar. In dem kleinen Örtchen Kona hatte sich zu dieser frühen Zeit die halbe Insel versammelt und das brachte uns in eine nervöse Vorwettkampfstimmung. Das Bodymarking war die erste Anlaufstelle. Danach hatte man erst Zugang zur Wechselzone und konnte sein Rad für den Wettkampf rüsten. Die  Zuschauer hatten sich bereits die besten Plätze am Strand gesichert um später den Auftakt ganz nahe verfolgen zu können. Die Athleten rannten hingegen alle zuerst in Richtung King Kam Hotel um sich ihre Nummern aufdrucken zu lassen. Dem schlossen wir uns an und bahnten uns den Weg relativ schnell und ohne Hecktik  zu unseren Rädern. Am Wechselplatz wurde nocheinmal alles durchgecheckt, Radflaschen, Schuhe, Helm, Sonnenbrille, Startnummernband und natürlcih die Reifen aufpumpen – alles Routine! Nur an so einem Ereignis geht man lieber alles  2 – 3 mal durch. Anschließend machten wir uns für das Schwimmen fertig und begaben uns langsam richtung Schwimmeinstieg, wo bereits die Profis auf ihren Startschuss warteten.

Da der Schwimmstart im Wasser statt fand, hielt ich mich an einem Surfbrett fest um nicht vor dem Start schon wichtige Körner durch Wassertreten zu verlieren. Nocheinmal durchathmen und dann ertönte der Startschuss. Die ersten 300-400 Meter waren die Hölle. Es wollte jeder so schnell wie möglich nach vorne stürmen und prügelte nur so durch das Wasser. An der ersten Boje waren wir so eng beisammen, dass ich kurze Zeit über ein paar Züge Brust nachdachte. Entschied mich aber doch dafür kurz den Kopf hoch zu strecken und zu schauen, wo ich momentan liege und was die beste Postion zum Schwimmen ohne Prügel wäre. Mit einem kleinen Richtungswechsel konnte ich dann auch mein Rennen ohne große Behinderung weiterführen und kam mit einer Zeit von 59:50 Minuten aus dem Wasser. Soweit war alles im Zeitplan. Unter einer Stunde aus dem Wasser mit einem schnellen Wechsel aufs Rad und dann Durchstarten.

Mit einer sicheren Variante aufs Rad zu steigen begann die 180km lange Etappe von Kona aus durch einem kleinen Umweg  auf den Queen K  Highway und dann in Richtung Hawi. Zu Beginn der Strecke waren einige Athleten, die ähnlich wie ich aus dem Wasser kamen, um mich herum versammelt.  Das sich dadurch eine größere Gruppe bildete, ließ sich nicht vermeiden. Da ich aber eine Zeitstrafe unbedingt vermeiden wollte, hielt ich mich die erste Stunde kontrolliert ganz hinten in der Gruppe auf –  mit legalen 7 Meter Abstand. Nach der Abzweigung führte die Strecke hoch nach Hawi, ab da beschleunigte ich mein Tempo und konnte mich von der Gruppe lösen. Bis zum Wendepunkt überholte ich noch einige Fahrer und konnte ab km 80 mein Rennen komplett alleine bestreiten. Auf dem Rückweg, kam der Wind stark von der Seite und gerade die Abfahrt von Hawi war nicht zu unterschätzen. [media id=5]

Bei km 120 nahm ich die Hitze deutlich wahr. An jeder Verppflegungsstelle schüttete ich Wasser über meinen Körper um mich abzukühlen. Das letzte Drittel zog sich ewig hin. Immer die gleiche Wellen auf dem Highway und dann kam der Wind auch noch von vorne. Ich versuchte nicht allzu viele Körner im Kampf gegen den Wind zu verlieren, da es auf der Radstrecke schon enorm heiß war, würde es auf der Laufstrecke wohl noch deutlich wärmer werden. Kontrolliert beendete ich die 180km in einer Zeit von 4:52:21 und blieb damit unter 5 Stunden, somit auch gut im Zeitplan.

Der zweite Wechsel klappte ebenfalls ohne Probleme und mit den ersten Schritten merkte man auch die Sonne, die deutlich brannte. Die ersten Meilen auf dem Alii Drive fühlten sich gut an. Ich hielt mich zurück und war trotzdem nur am überholen. Nach km 13 spürte ich, dass meine Beine doch nicht mehr ganz die frischesten waren und ich lief das Tempo so weiter ohne zu beschleunigen. Bei km 17  erstreckte sich der bekannte Anstieg auf der Palani Road, rauf zum Highway. Der hatte es in sich und ich war froh, oben anzukommen und nicht völlig fertig zu sein.[media id=3]

Die darauffolgende Verpflegungsstation wollte einfach nicht kommen, das waren erste Anzeichen der Erschöpfung. Die Strecke bis zum Energy Lab wurde zur einer endlosen Suche nach dem nächsten Meilenschild oder der nächsten Verpflegungsstelle. Dort nahm ich mir immer Eiswürfel und stopfte sie mir unter die Mütze, schüttete mir Wasser über den Körper und krallte alles was ich bekam zum Trinken. Als ich endlich im Energy Lab ankam, wurde es noch heißer. Ich lief in richtung Meer hinunter und wendete mit einem sehr unguten Gefühl. Der Weg wieder hinaus war unangenehm hart. Erstens überholte mich der spätere Gewinner meiner Altersklasse. D.h. ich war meine Führung los. Zweitens schwanden meine Kräfte. Zurück auf dem Highway schaltete ich den Kopf komplett aus und spulte Meile um Meile ab. Das lief super bis km 38. Da meldeten sich meine Oberschenkel und ich musste richtig auf die Zähne beißen. Die Qualen bis dahin, waren nichts im vergleich zu denen, die ich ab diesem Zeitpunkt hatte. Mit krampfenden Oberschenkeln rannte ich die Palani Road wieder hinunter und  jeder Schritt schmerzte. 600m vor der Ziellinie lief  Steffen Haak auf mich auf. Da er ebenfalls in meiner Altersklasse startete, war klar, dass ich nocheinmal mitgehen musste. Das merkte er sofort und zog 500m vor dem Ziel den Sprint an. Das ließen meine Beine an diesem tag nicht zu. Bei dem Versuch zu folgen machten die Oberschenkel zu und ich musste zurückstecken.[media id=1] Alles gegeben und der erreichte 3.Platz is mehr als ich erhofft hatte. Ich orientierte mich nach hinten, da kam länger Zeit keiner, also konnte ich die letzten 300m nocheinmal richtig genießen. Die Athmosphäre war Großartig. Nach 9:05:27 Stunden war ich völlig platt aber überglücklich das Ziel in einer guten Zeit erreicht zu haben. Mit dem 52 Platz Overall war ich letztlich mehr als zufrieden und humpelte in den Zielbereich wo meine Familie bereits wartete.

Leider hatte mein Wegbegleiter an diesem Tag weniger Erfolg und musste nach ein paar Meilen auf der Laufstrecke das Rennen wegen Krämpfen aufgeben.

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Mit starkem Muskelkater durfte ich am nächsten Abend auf der Award Party meine Holzschüssel in Empfang nehmen. Tolles Gefühl dort auf der Bühne zu stehen!

Alle Ergebnisse sind hier zu finden



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Pro-Team Mohrenwirt